Lunch-Talk: Standards wirksam setzen und steuern
Standardisierung in der Verwaltungsdigitalisierung scheitert selten am guten Willen, sondern oft an praxisfernen Vorgaben. Wie schaffen wir es, dass Standards wie der Servicestandard für echte Entlastung sorgen und nutzerzentrierte Services garantieren? Dazu sprachen wir bei unserem digitalen Lunch-Talk: „Standards wirksam setzen und steuern“.
Am 15.09.2026 fand unser erster Lunch Talk mit mehr als hundert Teilnehmenden statt.
Gute Standards lösen das Versprechen einer modernen Verwaltung ein: Sie machen Services von Beginn an gut nutzbar und effizient. Wir haben diskutiert, wie praxistaugliche Vorgaben – ergänzt durch interdisziplinäre Kompetenzen, gezielte Befähigung und messbare Qualitätsprüfungen – den digitalen Wandel beschleunigen und behördenübergreifend echte Entlastung schaffen.
Panel-Diskussion mit anschließendem Q&A: Es diskutierten Thomas Jarzombek PStS (BMDS), Stefanie Koch (Senatskanzlei Hamburg), Christian Stuffrein (Deutscher Landkreistag) und Anna Sinell (DigitalService des Bundes).
Moderation: Viola Heeger, Tagesspiegel
Offene Fragen und Antworten aus dem Q&A
Im Rahmen des Lunch-Talks kamen Fragen auf, die wir aufgrund der knappen Zeit nicht mehr beantworten konnten. Hier greifen wir die Rückfragen an den DigitalService zum zu Standards in der Verwaltungsdigitalisierung noch einmal auf.
Welche Rolle könnte die Digitale Dachmarke als visueller Standard in Zukunft spielen?
Als übergreifendes Kennzeichnungssystem für digitale Services der öffentlichen Verwaltung schafft die Digitale Dachmarke mit ihren leicht wiedererkennbaren Elementen einen Vertrauensanker und eine Art Sicherheitssiegel für Bürgerinnen und Bürger.
Zusätzlich trägt sie dazu bei, wirtschaftliche und personelle Ressourcen der Verwaltung zu schonen. Denn statt eigene gestalterische Lösungen für digitale Angebote zu entwickeln, kann mithilfe der Digitalen Dachmarke auf bereits Vorhandenes zurückgegriffen werden.
Meine Erfahrung ist, dass in den Behörden oft das Methoden-Knowhow fehlt, um zielgerichtet an Verbesserungen von Services zu arbeiten. Wie kann das Thema Befähigung gelöst werden?
Es ist wichtig, dass Mitarbeitende der öffentlichen Verwaltung nachhaltig befähigt werden, um langfristig souverän an den Services arbeiten zu können. Dafür reicht keine Weiterbildung innerhalb bestehender Strukturen; es braucht eine neue Arbeitskultur, der wir uns in weiteren Projekten wie dem Work4Germany Fellowship widmen.
Welche Prüfkriterien gibt es für die digitale Barrierefreiheit? Werden Standards z.B. gemeinsam mit Menschen mit Behinderung entwickelt?
Wir arbeiten unter anderem mit den Bfit-Überwachungsstellen sowie Landesüberwachungsstellen zusammen, die Standards auf Barrierefreiheit prüfen. Daneben lassen sich konkrete rechtliche Prüfkriterien wie der Barriefreiheitsstandard BITV 2.0; diese wurden gemeinsam mit Menschen mit Behinderung entwickelt.
Welche öffentlichen Services/Produkte, die bereits live sind, könnten als gute Beispiele vorangehen, dass Standards zu gern genutzen Angeboten führen?
Städte wie Hamburg liefern viele spannende Beispiele. Eines, das oft nachgenutzt wird, ist die elektronische Wohnsitzanmeldung aus Hamburg.
Seitens des DigitalService weisen wir auch gerne auf die Services justiz.service.de oder die digitale Grundsteuererklärung hin, die wir respektive für das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz sowie das Bundesministerium der Finanzen mitgestaltet haben.