Kommunikationsplattform für Zivilverfahren
Effizientere Prozesse im Zivilverfahren erproben
Eines der Ziele der Digitalisierungsvorhaben im Bereich „Zugang zum Recht“ ist es, die Justiz durch effizientere Prozesse nachhaltig zu entlasten. Daher erproben wir mit dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, wie die verfahrensbezogene Kommunikation im Zivilprozess grundlegend neu gedacht werden kann – schnell, synchron und datenbasiert. Diesen Ansatz verfolgt das Projekt zur bundeseinheitlichen Kommunikationsplattform.
In Zukunft soll die Kommunikationsplattform effiziente und transparente Verfahrensabläufe im Zivilprozess schaffen. Besonders im Bereich sogenannter Massenverfahren, aber auch generell bei der Geltendmachung von Geldforderungen vor Amtsgerichten, soll sie den rechtssicheren Austausch von verfahrensbezogenen Informationen in Form strukturierter Daten erleichtern. Mit der Kommunikationsplattform wollen wir die Arbeitsabläufe sowohl für die Verfahrensbeteiligten als auch die Gerichtsmitarbeitenden deutlich vereinfachen und somit Verfahrenslaufzeiten spürbar verkürzen. Zugleich soll mit der Plattform der Übergang von einem postfach- und dokumentenbasierten zu einem daten- und plattformbasierten Arbeiten im Zivilprozess gelingen. Das schafft die Grundlage, um effizienter zu werden und administrative Schritte wie die Verfahrensdatenpflege zu automatisieren.
Aktuell arbeiten wir an einem nutzendenzentrierten Minimum Viable Product (MVP), das die Grundfunktionen einer Kommunikationsplattform enthält, z. B. eine Übersicht aller laufenden Verfahren sowie einen von allen Verfahrensbeteiligten geteilten Datenraum zur Bereitstellung und Einsichtnahme in die relevanten Dokumente. Mit diesen Grundfunktionen und weiteren iterativ entwickelten Funktionalitäten wollen wir im Echtbetrieb erproben, welche Mehrwerte sich durch neue Kommunikations-, Austausch- und Übermittlungsformen für Gerichte und Verfahrensbeteiligte ergeben.
Eine Kommunikationsplattform fordern verschiedene Stimmen aus der Justiz, der Anwaltschaft und der Politik, u. a. die Reformkommission „Zivilprozess der Zukunft“ und der Koalitionsvertrag für die 21. Legislaturperiode.
Die Kommunikationsplattform gehört zum Online-Verfahren in der Zivilgerichtsbarkeit, das Teil der Modernisierungsagenda des Bundes und als Reallabor der föderalen Modernisierungsagenda ist.
Als Baustein für die Kommunikationsplattform wird eine technische Schnittstelle zu den Justiz-IT-Systemen der Länder entwickelt.
Dieses Vorhaben wird finanziert von der Europäischen Union – NextGenerationEU.
Status: Entwicklung
Besonderheiten
- Kollaborative Zusammenarbeit mit der SINC GmbH, mit Landesjustizverwaltungen, Amtsgerichten und der Bundesrechtsanwaltskammer
- Pilotierung mit Partnerländern und Pilotgerichten
- Gesetz zur Entwicklung und Erprobung eines Online-Verfahrens in der Zivilgerichtsbarkeit schafft die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Kommunikationsplattform
Zahlen, Daten, Fakten
Zusammenarbeit im föderalen Justiz-Ökosystem (u. a. mit Bürger:innen, Anwaltschaft, Landesjustizverwaltungen, Legal-Tech-Unternehmen)
Erprobung im Reallabor
Technische Integration in die bestehenden IT-Systeme der Justiz
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