Auf eine Tasse Kaffee mit … Hannah Bergmann, Projektleitung Work4Germany
Hannah ist Projektleiterin des Work4Germany Fellowships beim DigitalService. Bei einer Tasse Kaffee mit unserem Communications Team zeigt sie, wohin sich das Fellowship entwickelt, worum es eigentlich beim diesjährigen Spezialjahrgang geht und wie ihr Weg als Forscherin vom Meer zur Kultur verlief.
Work4Germany will die Arbeit von Menschen in der Verwaltung leichter machen und damit – auf einer übergeordneten Ebene – die Wirksamkeit von Verwaltungshandeln stärken.
Hannah, Du bist jetzt Projektleiterin des Work4Germany Fellowships. Aber gehen wir noch mal einen Schritt zurück. Was wolltest Du als Kind werden?
Meeresbiologin – ohne zu wissen, was das ist und was man da genau macht. Aber ich fand, das klang cool – im Wasser zu sein und etwas zu erforschen. Eigentlich könnte man sagen, genau das mache ich heute auch: Erforschen. Allerdings nicht das Meer, sondern Kultur.
Wie war dann Dein beruflicher Werdegang, bevor Du zum DigitalService gekommen bist?
Zunächst habe ich Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste in Berlin studiert. Das ist ein Studiengang, der einen sehr breit aufstellt. Denn zum einen ist der Praxisbezug hoch, zum anderen lernt man eine Menge aus vielen verschiedenen Professionen. Neben dem Studium habe ich außerdem schon viel und vor allem in sehr unterschiedlichen Kontexten gearbeitet. So habe ich in einer Internetagentur als studentische Hilfskraft PR gemacht oder in einem Start-up Bücher auf das Smartphone gebracht. User-Centered Design und User-Experience steckten noch in den Kinderschuhen und ich habe das so in den ersten Zügen mitgenommen. Heute macht das der DigitalService natürlich auf einem ganz anderen Niveau.
Wie ging es dann weiter?
Ich war dann neben dem Studium in der School of Design Thinking am Hasso-Plattner-Institut. Das prägt meine Sicht auf die Welt und auf Innovationsprozesse mit Sicherheit immer noch. Und dann habe ich im Master Cultural Engineering studiert. Danach bin ich zum Fraunhofer Center for Responsible Research and Innovation, zunächst als studentische Hilfskraft, dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin.
Dort habe ich in einer ganzen Reihe von Innovationsprojekten gearbeitet und partizipative Prozesse gestaltet, konzipiert und durchgeführt – mit Bürger:innen im ländlichen Raum, die dort ihre Zukunft gestalten wollen, mit Berliner:innen und Unternehmen. Was sich immer durchgezogen hat: Menschen erreichen zusammen mehr als alleine. Mit diesem Verständnis bin ich dann weiter in Richtung Zukunftsforschung. Irgendwann – in einem Projekt zu nachhaltigen Düngemitteln – ging es dann aufgrund eines Vermerks auf der Verwaltungsseite nicht weiter. Für mich war da klar: Um Transformationsvorhaben weiter voranzutreiben, müssen wir die Verwaltung effektiver machen.
Und mit diesem Anspruch bist Du dann zum DigitalService: Wie würdest Du hier Deine Rolle beschreiben, speziell als Projektleiterin bei Work4Germany?
Das ist gar nicht so einfach, ich habe ganz verschiedene Rollen. Außerdem ändert sich gerade eine Menge.
Eine Frage, die das zusammenfassen könnte: Wie würdest Du es einem fünfjährigen Kind erklären?
(Lacht) Das ist noch viel komplizierter. Ich probiere es erst mal für Erwachsene. Also, was mache ich? Meine Arbeit findet auf verschiedenen Ebenen statt. Auf der Fellowship-Ebene, und das ist natürlich ein großer Bestandteil, geht es um die strategische Ausrichtung von Work4Germany: Wo wollen wir hin – und warum? Auf Team-Ebene ist mein Ziel, das Work4Germany Team zu selbstorganisiertem Arbeiten anzuleiten. Als People Lead fördere ich dabei die Entwicklung der einzelnen Teammitglieder. Und dann kümmere ich mich um all die Anfragen, die nicht planbar sind. Am Ende ist es vielleicht das Bild des Gärtnerns: Also den Garten in Ordnung zu halten, zu düngen, zu gießen und die Fruchtfolge zu planen.
Das ist ein guter Punkt, um auf das Fellowship einzugehen. Worum geht es bei Work4Germany?
Ganz kurz gesagt: Work4Germany will die Arbeit von Menschen in der Verwaltung leichter machen und damit – auf einer übergeordneten Ebene – die Wirksamkeit von Verwaltungshandeln stärken. Denn klar ist: Auf der Verwaltungsseite gibt es eine ganze Reihe super engagierter Menschen, die mit ganz viel Leidenschaft und Purpose arbeiten. Diesen Menschen steht allerdings oft etwas im Weg, häufig sind das Prozesse und Abhängigkeiten. Also Dinge, die einfach schon immer so gemacht wurden, ohne sie zu hinterfragen – und da setzen wir an.
Wie setzt Work4Germany das konkret um?
Seit 2020 bringen wir Expert:innen für Neue Arbeit und Transformationsprozesse – unsere Fellows – in die Bundesverwaltung. Dort arbeiten sie gemeinsam mit Partner:innen aus der Verwaltung. Das heißt: Es werden ganz konkrete Herausforderungen bearbeitet und im besten Fall natürlich gelöst.
Was passiert, ist, dass Methoden aus der Privatwirtschaft, aus dem Non-Profit-Sektor in die Verwaltung fließen. Die Fellows haben den Auftrag, einen Perspektivwechsel möglich zu machen, immer wieder nachzufragen, sich Dinge erklären zu lassen und Vorschläge für Veränderungen zu machen. Zum Schluss ist das ganz viel Befähigungsarbeit. Wenn es gut läuft, wissen die Partner:innen auch Jahre nach dem Fellowship noch, warum etwa der Einbezug von Nutzenden schon vor Projektstart enorm hilfreich ist. Und zugleich bringt das natürlich die Projekte unserer Partner:innen inhaltlich voran, macht sie effizienter und führt zu besseren Ergebnissen.
Hast Du da ein Beispiel, gerade, wenn Du über Befähigung sprichst?
Klar, in einem Bundesministerium sollte eine Digitalstrategie erarbeitet werden. Dafür wurde ein Beteiligungsprozess gemeinsam mit dem verantwortlichen Referat trotz Skepsis angestoßen. Zum Schluss waren in diesem 700 statt der ursprünglich geplanten 300 Mitarbeitenden eingebunden und die Partnerin um viele wertvolle Erkenntnisse reicher. Auch für die Umsetzung der Strategie war das ein entscheidender Punkt. Nicht nur wurde die Akzeptanz des Vorhabens gestärkt, auch konnten die Ergebnisse nachhaltig umgesetzt werden. Denn: Relevante Stakeholder haben sie mitgetragen. Und unsere Partnerin sagte selbst, sie hat verstanden, wie wichtig es ist, Nutzende auch im eigenen Haus einzubinden. In unserem Werkstattbericht können viele weitere Beispiele nachgelesen werden.
Lass uns damit die Entwicklung des Fellowships betrachten. Dieses Jahr soll es erstmalig drei Work4Germany Kohorten in einem Jahr geben, zwei laufen bereits: Was hat sich in den vergangenen Jahren aufseiten der Verwaltung und auch in der Ausrichtung des Fellowships am meisten verändert?
Die Verwaltung ist natürlich nicht stehen geblieben. Es gibt jetzt agile Coaches in fast jedem Bundesministerium, es gibt Weiterbildungen zu OKRs und zu anderen Methodiken. Vor sechs Jahren war das noch komplettes Neuland. Das ist eine sehr positive Entwicklung. Gleichzeitig wachsen damit auf der Verwaltungsseite auch neue Bedarfe. Heute wird eher nach dem Nutzen für das eigene Projekt gefragt. Auch die Projekte, die damit an uns herangetragen werden, fokussieren so verstärkt Transformationsprozesse. Gleichzeitig merken wir aber auch: Methodenwissen zu integrieren und konkret nutzbar zu machen, bleibt wichtig.
Und dabei unterstützen dann die Work4Germany Fellows?
Genau. In der Verwaltung ist viel Wissen darüber vorhanden, wie die Theorie funktioniert – etwa, dass agile Methoden wie Scrum-Prozesse existieren. Das dann aber auf das eigene Referat herunterzubrechen, ist gar nicht so einfach. Hier kommen dann die Fellows ins Spiel. Der andere Teil ist, Transformationsprozesse zu begleiten und auch ganze Organisationsentwicklungen vorzubereiten.
Work4Germany wird auch fortlaufend evaluiert – gibt es eine Erkenntnis aus diesen Auswertungen, bei der Du sagst: „Oh wow“?
Wir schaffen es tatsächlich, Silodenken abzubauen. Das heißt: Partner:innen gehen während und auch nach dem Fellowship viel stärker in den Austausch mit Kolleg:innen aus anderen Abteilungen oder Ressorts. Es ist nicht mehr nur das abgegrenzte Denken in einem Bereich, ohne nach links und rechts zu schauen, es ist Kooperation, die im Vordergrund steht. Das finde ich schon ziemlich gut.
Dieses Jahr gibt es auch einen Spezialjahrgang zur Unterstützung der Modernisierungsagenda (Bund). Was ist das Besondere an diesem Jahrgang?
Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) setzt gerade maßgeblich die Modernisierungsagenda für Staat und Verwaltung (Bund) um. Diese gliedert sich in fünf Handlungsfelder, die ganz konkret darauf abzielen, die Verwaltung zukunftsfähiger aufzustellen. Mit den Herausforderungen, vor denen die jeweiligen Handlungsfelder stehen, ist das BMDS dann auf uns zugekommen.
Das Ziel: Im Rahmen des Fellowships soll die inhaltliche Arbeit in den Handlungsfeldern vorangetrieben werden, ressortübergreifend an Themen der Modernisierungsagenda gearbeitet und Synergien zwischen den Handlungsfeldern geschaffen werden. Es gibt also verschiedene Bausteine, die die Fellows unterstützen. Dabei gibt es zwei Besonderheiten. Die Fellows sind alle in einer Abteilung eingesetzt und arbeiten an einem gemeinsamen Projekt. Ebenso haben wir uns dazu entschieden, auf Alumni zurückzugreifen, also Fellows, die schon davor mit Work4Germany erfolgreich Projekte umgesetzt haben. Unsere Überzeugung dabei war, dass es direkt in die Umsetzung gehen sollte.
Kommen wir von Work4Germany noch einmal zum DigitalService – für welche Art des Arbeitens steht der DigitalService in Deinen Augen?
Die Arbeit hier ist wenig statusgetrieben. Gerade im Vergleich zu meinen vorherigen Arbeitsstationen finde ich das interessant. Ich habe den Eindruck, dass es den meisten Personen, die hier arbeiten, nicht darum geht, sich einen Titel hinschreiben zu können. Stattdessen geht es darum, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Wir kooperieren viel, teilen Informationen und überlegen gemeinsam: Wie kommen wir zu einer Lösung, die funktioniert?
Was hast Du beim DigitalService neu gelernt?
Wahnsinnig viel. Ich meine, davor habe ich noch nie in einem Fellowship gearbeitet und Programmarbeit gemacht. Im Fellowship gibt es dann diese ganz konkrete Gruppe, die man für ein halbes Jahr begleiten darf und der man beim Wachsen zusieht. Womit wir wieder beim Gärtnern wären (lacht). Das zu begleiten, von der Auswahl, zum Abschluss, Beziehungen zu knüpfen und Veränderungen möglich zu machen, ist etwas ganz Besonderes. Natürlich lerne ich dadurch auch viel über die öffentliche Verwaltung und begegne immer wieder ganz unterschiedlichen Menschen, die mich inspirieren.
Wenn Du an Deine Arbeit beim DigitalService denkst, worauf bist Du in letzter Zeit besonders stolz?
Dass wir überhaupt drei Jahrgänge in einem Jahr durchführen, ist schon Grund genug, stolz zu sein. Das haben wir vorher noch nie gemacht. Dafür haben wir Prozesse parallelisiert, wir haben sie professionalisiert. Das ist Teamarbeit, und darauf bin ich wahnsinnig stolz. Außerdem der Begriff Digitalkultur – den haben wir 2023 etabliert und mittlerweile sprechen auch andere davon. Nicht nur im DigitalService, auch bei Stakeholdern darüber hinaus.
Was beschäftigt Dich außerhalb der Arbeit beim Digital Service?
Ich höre viele Podcasts zu Themen wie Politik und Zusammenarbeit, aber auch leichte Kost zum Abschalten. Ansonsten verbringe ich viel Zeit mit meiner Familie, gehe zum Sport und treffe Freund:innen. Und: Ich lese viel. Nichts Besonderes, aber ich habe mir vorgenommen wieder mehr auf Konzerte zu gehen.
Dann kommen wir jetzt zur obligatorischen letzten Frage: Wenn der Digital Service ein Tier wäre, welches Tier wäre das für Dich?
Puh, gar nicht so einfach. Ich würde sagen, ein Schnabeltier. Als Analogie für die Arbeit an der Schnittstelle von Verwaltung und modernster Softwareentwicklung. Er ist quasi ein hybrider „Sonderling“, der die agilen Methoden der Tech-Welt mit den festen Strukturen der Bundesverwaltung in einem Wesen vereint und sieht dabei auch noch ziemlich süß aus. Aber aufgepasst, ich habe gelernt, dass Schnabeltiere sehr wehrhaft sind.
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