Zum Inhaltsbereich wechseln
Newsletter
Neuigkeiten vom DigitalService – den DigitalService Newsletter abonnieren Newsletter
English
Kopfzeile und Bildwortmarke der Dachmarke auf einer Website

Die Digitale Dachmarke: Erkenntnisse aus der Pilotphase

Wie identifiziere ich unter den vielen Ergebnissen meiner Online-Suche die richtige Verwaltungsleistung? Was erwartet mich dort von Klick zu Klick? Und ist das wirklich ein offizielles staatliches Angebot?

Wer digitale Verwaltungsleistungen in Deutschland nutzt, kennt all diese Fragen nur zu gut. Denn das föderale System mit seinen vielen Akteuren spiegelt sich in einer verwirrenden Vielfalt jeweils unterschiedlicher Webadressen, Looks und Logos wider. Sprich: Jeder Service ist ein Unikat.

Die Folgen:

  • Bürger:innen fällt aufgrund der mangelnden Transparenz die Orientierung schwer. Im schlimmsten Fall gehen sie – wie bei der Energiepreispauschale für Studierende – unseriösen Trittbrettfahrern auf den Leim.
  • Die Verwaltung verwendet in Zeiten des Fachkräftemangels und enger Budgets rare Ressourcen darauf, jeweils neue individuelle gestalterische Lösungen zu entwickeln.

Vier Elemente mit großer Wirkung

Seit 2024 gibt es mit der Digitalen Dachmarke jedoch eine Alternative: Ein Kennzeichnungssystem mit vier modularen Elementen, die sich in staatliche Onlinedienste integrieren lassen und die für Bürger:innen schnell wiedererkennbare Vertrauensanker darstellen.

Ein Schaubild zeigt die vier Elemente der Dachmarke: Kopfzeile, Bildwortmarke, die Domain gov.de und das KERN-Designsystem

Die Dachmarke kommt bei Angeboten von Bund, Ländern und Kommunen zum Einsatz. Im Fokus stehen übergreifende Angebote, für die bislang keine etablierte staatliche Kennzeichnung vorhanden war.

Mehr Informationen zu den vier Elementen, zur Beantragung und zur Genese der Digitalen Dachmarke gibt es auf der Webseite des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung.

Im Projekt Measuring Citizen’s Satisfaction with Key Government Services for Better Performance and Enhanced Trust identifizierten die OECD und die Europäische Kommission neun Faktoren, die für die Nutzerzufriedenheit mit Verwaltungsangeboten entscheidend sind. Demnach ist die Nutzererfahrung unter anderem dann besser, wenn Services klar, nahtlos und integriert funktionieren.

Weil die einzelnen Bestandteile von Services aber häufig von unterschiedlichen Behörden bereitgestellt werden, uneinheitlich gestaltet und nicht gut miteinander verzahnt sind, wirken sie oftmals fragmentiert – zulasten der Nutzererfahrung.

Um die Wirkung der Digitalen Dachmarke konkret greifbar zu machen: So sieht die User-Journey zur Abmeldung eines Autos aus. Weil es um einen exemplarischen Eindruck geht und es sich um ein zufälliges Beispiel handelt, haben wir die Namen von Bundesland und Kommune aus zwei Screenshots getilgt.

Eine Serie von sechs Screenshots zeigt exemplarisch die fragmentierte User-Journey bei der KfZ-Abmeldung, mit jeweils unterschiedlichem Aufbau und eigenen Designs.

Wenn dagegen alle Services aus den beteiligten föderalen Ebenen konsequent die Elemente der Digitalen Dachmarke einsetzen, wäre derselbe Prozess einheitlicher und für Nutzende weniger verwirrend:

Eine Serie von sechs Screenshots zeigt die User-Journey zur KfZ-Abmeldung, wie sie mit der Dachmarke aussähe, mit einheitlichem Aufbau und Look.

Unsere Erkenntnisse aus der Pilotierung

Nachdem die Pilotierung der Dachmarke bereits Ende 2024 begann, startete der DigitalService im Mai 2025 in die Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) und dem Koordinierungskreis der Dachmarke, zu dem neben dem BMDS auch das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA), die Senatskanzlei Hamburg und das KERN-Projektteam gehören.

Ziele der Pilotphase sind insbesondere:

  • Anhand der laufenden Anwendungsfälle die Prozesse zur Vergabe und Implementierung der einzelnen Dachmarken-Elemente zu erproben sowie Hürden für den weiteren Roll-out zu identifizieren und mögliche Lösungen zu skizzieren.
  • Die Erkenntnisse mit internationalen Best Practices abzugleichen.
  • Ein Konzept für den dauerhaften Betrieb und die Verstetigung der Dachmarke inklusive iterierter Prozesse zu erarbeiten.

Ein Projekt im laufenden Betrieb zu betreuen und gleichzeitig strategisch neu zu denken, ist selbstverständlich eine Herausforderung – zumal mit einem kleinen Team, das im Wesentlichen aus zwei Personen bestand. Gleichzeitig hatten wir durch die konkrete Bearbeitung der Anfragen und den direkten Austausch einen unmittelbaren Einblick in die Umsetzung. Dies ergänzten wir durch strukturierte Interviews mit mehr als 20 Pilotservices und mit internationalen Expert:innen, die vergleichbare Initiativen begleiten – etwa bei GOV.UK.

Vor allem stellten wir bei all dem fest: Das Interesse an der Digitalen Dachmarke ist groß. Zu Beginn unserer Arbeit banden 17 Services mindestens ein Element der Dachmarke ein, mittlerweile sind es 150 – Tendenz steigend.

Neun Menschen in einem Stuhlkreis blicken auf eine Präsentation mit der Überschrift „Pilotierungsziele und Maßnahmen“

Im Juli 2025 stimmten wir uns in einem Workshop mit dem Koordinierungskreis der Digitalen Dachmarke ab.

Neuer Ansatz für das Anfragemanagement

Im ersten Schritt sprachen wir mit Pilotservices sowie mit den Personen, die bisher die Vergabe der Digitalen Dachmarke betreuten. So bekamen wir einen Überblick über die bisherigen Prozesse in den einzelnen Bearbeitungsphasen:

  1. Interesse an der Einbindung der Dachmarke
  2. Kontaktaufnahme durch Antragsteller
  3. Beratung und Berechtigungsprüfung
  4. Nutzungsvertrag für die Domain gov.de
  5. Implementierung der Dachmarken-Elemente im Service
  6. Qualitätsprüfung

Schnell wurde klar, dass die aktuellen Arbeitsabläufe durch die Vielzahl der eingebundenen Institutionen äußerst komplex waren. So gab es für jedes Element der Dachmarke unterschiedliche Ansprechpersonen. Das Resultat waren langwierige und zeitaufwendige Kommunikationswege, die auch zu Informationslücken bei der Abstimmung führten. So beispielsweise bei der Feststellung, ob Interessenten nutzungsberechtigt sind, oder beim individuellen Versand von Informationen an Antragsteller:innen. Aber auch aus Nutzendensicht waren die komplexen Zuständigkeiten verwirrend und intransparent.

Schon sehr früh im Projekt schlugen wir vor, diesen Zustand durch eine Bündelung von Inhalten und Zuständigkeiten zu lösen. Perspektivisch sind vor allem folgende Schritte sinnvoll:

  • Ein zentraler Einstieg für Interessierte und Nutzende über einen eigenen Web-Auftritt – mit allen Informationen zur Dachmarke ebenso wie zu Beantragung und Umsetzung.
  • Ein Anfrageformular, das alle relevanten Informationen strukturiert abfragt.
  • Ein Ticketing-System im Hintergrund, das alle Informationen zu einzelnen Anträgen an einem Ort bündelt und für Transparenz in der Bearbeitung sorgt.
  • Eine formalisierte Qualitätskontrolle, um die korrekte Einbindung der Dachmarken-Elemente sicherzustellen.

Neben den Prototypen für einen eigenen Web-Auftritt und ein Anfrageformular, die wir zu Demonstrationszwecken bereits entwickelt haben, haben wir bereits konkrete Änderungen umgesetzt.

Seit Mai 2025

  • verschafft uns ein Dashboard einen verlässlichen Überblick über die live geschalteten Elemente und vergebenen Domains,
  • erleichtert ein Entscheidungsbaum die Vergabe der Dachmarke,
  • gibt es eine zentrale Mailadresse (dachmarke@digitalservice.bund.de) zur Beantragung mit konkreten Informationen zu den notwendigen Angaben.

GOV.UK zeigt, was möglich ist

Genauso wichtig wie der Fokus auf die praktischen Abläufe war jedoch der Blick über den Tellerrand und der Vergleich mit internationalen Best Practices. Unser intensiver Austausch mit den Kolleg:innen in den USA und Großbritannien untermauerten dabei unsere eigenen Erkenntnisse und zeigte folgende Erfolgsfaktoren auf:

  • Eine zentrale Anlaufstelle für Antragstellende reduziert den Beratungsaufwand.
  • Ausreichende Personalkapazitäten zur Anfragebearbeitung beschleunigen den Roll-out.
  • Eine skalierbare technische Basis zur Domainverwaltung ermöglicht langfristiges Wachstum und ist essenziell, um die Sicherheit und Erreichbarkeit von gov.de zu garantieren
  • Die verlässliche Identitätsprüfung von Antragstellenden sichert Vertrauen.
  • Eine iterative und nutzerzentrierte Arbeitsweise unterstützt die Zukunftsfähigkeit.

Die von GOV.UK, dem britischen Pendant der Digitalen Dachmarke, verfügbaren Daten belegen dabei eindrucksvoll, welches Potenzial ein einheitlicher Auftritt in Verbindung mit einem Baukastensystem für digitale Services entfalten kann:

  • Jährlich 36 Millionen £, also über 41 Millionen €, werden bei der Entwicklung von digitalen staatlichen Angeboten durch die Verwendung des einheitlichen Designsystems eingespart. Die Kurve geht dabei steil nach oben – von den Anfang 2020 ursprünglich prognostizierten 17 Millionen £.
  • Aus demselben Grund reduziert sich die Entwicklungszeit für neue Verwaltungsleistungen um 50 Prozent.
  • GOV.UK hat durch die flächendeckende Verwendung eine Markenbekanntheit von 98 Prozent in der Bevölkerung.
  • Die Nutzerzufriedenheit bei digitalen Verwaltungsleistungen, die entlang des Servicestandards mit einheitlichem Erscheinungsbild und standardisiertem Designsystem entwickelt sind, liegt bei satten 80 Prozent.

Zielbild für den dauerhaften Betrieb: Agil, serviceorientiert, föderal vernetzt

Auf Basis der oben skizzierten Erkenntnisse und Erfahrungswerte haben wir ein Betriebsmodell für die langfristige Weiterentwicklung und den Betrieb der Dachmarke abgeleitet. Denn damit die Digitale Dachmarke nachhaltig wirken kann, müssen die folgenden Anforderungen erfüllt sein:

Nutzerzentrierte und agile Arbeitsweise: Prozesse, Hilfe­stellungen bzw. Anleitungen und Tools sollen flexibel, da­tenbasiert und iterativ weiter­entwickelt werden, um schnell auf neue Anforderungen reagieren zu können.

Interdisziplinäres Kernteam: Die Einbindung unterschied­licher Disziplinen bildet die Grundlage für die kontinuier­liche operative und strate­gische Arbeit.

Starke Serviceorientierung an den Zielgruppenbedarfen: Weiterentwicklung und Umset­zung der Dachmarke sollen niedrigschwellig, lösungs­ori­lentiert und an den Bedürfnis­sen der Antragstellenden ausgerichtet werden.

Beratungs- und Support­fähigkeit: Antragstellende sollen kompetent bei der Nutzung der Dachmarken-Elemente unterstützt werden. Dazu gehört auch die notwendige personelle und technische Ausstattung.

Life-Cycle-Management und Qualitätssicherung: Alle vier Elemente der Dachmarke sol­len regelmäßig evaluiert und bedarfsorientiert weiterent­wickelt werden. Außerdem muss sichergestellt werden, dass alle Elemente der Dach­marke konsistent, aktuell und korrekt eingesetzt werden.

Transparenz und Kommuni­ka­tion: Die Bekanntheit und Sichtbarkeit der Digitalen Dachmarke soll aktiv vorangetrieben werden.

Akzeptanz bei den Ländern: Eine enge Einbindung der Länder ist entscheidend, um die Dachmarke bei allen föde­ralen Ebenen bis hin zu den Kommunen tragfähig zu verankern.

Hoheitliche Befugnisse: Im Fall von Missbrauch, beispielswei­se der unzulässigen Nutzung der Bildwortmarke, muss dies geahndet werden. Dafür braucht es die entsprechenden Rechtsgrundlagen und ein Mandat.

Finanzierung: Voraussetzung für den kontinuierlichen Betrieb und die Weiterentwicklung der Dachmarke über die Pilotphase hinaus ist eine belastbare Finanzierungsstruktur.

Diese priorisierten Anforderungen bilden die Grundlage für das Zielbild des Betriebsmodells: Eine agil arbeitende, serviceorientierte und föderal vernetzte Einheit, die sowohl operative Exzellenz in der Antragsbearbeitung gewährleistet als auch strategische Steuerungsaufgaben zur Weiterentwicklung der Dachmarke übernimmt.

Um den Übergang von der Pilotierung in den Roll-out der Dachmarke einzuleiten und den dauerhaften Betrieb sicherzustellen, braucht es eine tragfähige, skalierbare und föderal anerkannte Struktur. Die Entscheidung, wo und in welcher institutionellen Form der Betrieb künftig angesiedelt wird, steht noch aus.

Mehrere Menschen sitzen an einem Konferenztisch und unterhalten sich.

Bedarf und Interesse an der Dachmarke sind hoch, wie wir z. B. beim Public Service Lab Day 2025 feststellten, wo es sogar spontanen Zwischenapplaus für das Projekt gab.

Unsere nächsten Schritte im Projekt

Auf dem Weg von der Pilotierung zum Roll-out sind wir weiterhin im Gespräch mit zahlreichen Interessenten und begleiten die Umsetzung. Strategisch wichtig sind für uns dabei vor allem Einer-für-Alle-(EfA-) sowie zentrale Basisdienste wie die EUDI-Wallet, die als digitale Brieftasche für Identitätsnachweise und weitere sensible Dokumente dient. Gerade Leistungen mit Identifizierungs-, Authentifizierungs- oder Bezahlfunktionen müssen für Bürger:innen eindeutig als staatliche Services erkennbar sein. Die Digitale Dachmarke schafft hier Klarheit über den staatlichen Absender und stärkt so nachhaltig das Vertrauen in diese Angebote.

Um die Bekanntheit der Digitalen Dachmarke gezielt zu stärken, weiten wir unseren Ansatz über den bisherigen Fokus auf umsetzende Verwaltungsmitarbeitende hinaus aus. Künftig gehen wir proaktiv auf weitere Stakeholder zu, um die Dachmarke sowohl top-down als auch bottom-up zu verankern und auf allen politischen Ebenen sichtbar zu machen. Dazu zählen Akteure aus dem politischen Umfeld ebenso wie IT-Dienstleister, die öffentliche Services konzipieren und umsetzen.

Ein Dream-Team: Dachmarke und Servicestandard

Die Digitale Dachmarke ist von entscheidender strategischer Bedeutung:

Angesichts knapper öffentlicher Ressourcen kann sie die Verwaltung entlasten, denn der Einsatz fertig bereitstehender Elemente spart Zeit und Kosten – in einer potenziellen Größenordnung im mittleren zweistelligen Millionenbereich, wie das Beispiel GOV.UK belegt. In Zeiten steigender Cyberkriminalität und Desinformation sorgt eine klar erkennbare Kennzeichnung offizieller Services außerdem für mehr Sicherheit. Eine vor Cyberangriffen und Missbrauch geschützte Domain bildet hierfür die unerlässliche Basis.

Darüber hinaus stellt die Dachmarke die Weichen dafür, wie Bürger:innen und Unternehmen den Staat wahrnehmen. Sie stellt sicher, dass die Verwaltung mit einer verlässlichen und einheitlichen Stimme spricht. Das ist dringend nötig in Zeiten, in denen das Vertrauen in den Staat nachweislich sinkt, wie u. a. der aktuelle eGovernment MONITOR der Initiative D21 zeigt.

Dabei ist ein visuell einheitlicher Absender, wie die Dachmarke ihn gewährleistet, das eine. Das andere sind die generelle Qualität und Nutzerfreundlichkeit von Verwaltungsdiensten. Mit der Standardverordnung Onlinezugang gibt es hierfür seit Oktober 2025 verbindliche Anforderungen und mit dem Servicestandard praxisnahe Hilfestellung, die kontinuierlich ausgebaut und in die Breite getragen wird.

Hier schließt sich der Kreis, denn der Servicestandard verweist unter Punkt 9 „Sicherheit herstellen und Vertrauen schaffen“ auf die Dachmarke und ihre Elemente. Servicestandard und Dachmarke: Zusammen sind sie das Dream-Team für die Verwaltungsdigitalisierung in Deutschland.

Was es selbstverständlich weiterhin braucht, ist der politische Wille, beide Projekte konsequent und mit dem nötigen Nachdruck voranzutreiben.


Porträtfoto der Autorin Anne Ludwig

Anne Ludwig

ist Senior Transformation Managerin und Projektleitung Digitale Dachmarke beim DigitalService. Mit Begeisterung bringt sie Menschen zusammen und verbindet vielfältige Perspektiven, um den digitalen Wandel positiv zu gestalten. Ihre Erfahrung in der Bundesverwaltung und ihr geistes- und gesellschaftswissenschaftlicher Hintergrund helfen ihr, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. In ihrer Freizeit hört sie Podcasts, geht Laufen und liest Graphic Novels.

Porträtfoto der Autorin Lena Frank

Lena Frank

ist User Researcherin und Service Designerin im Projektteam Digitale Dachmarke beim DigitalService. Ihr Ziel ist es, staatliche Services nachhaltig zu verbessern und damit das Vertrauen von Menschen in die Verwaltung zu stärken. Sie arbeitet gerne kollaborativ und interdisziplinär an komplexen Fragestellungen und bringt dabei ihre Expertise aus Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation sowie Business Design ein. Privat ist Lena gerne sportlich unterwegs, liest viel und beschäftigt sich mit Resilienz im Arbeitsalltag.


Mehr zum Thema lesen